Ljubljana liegt in Trümmern

Mai 2017

Die Lawinen- und Vermisstensuchhundestaffel Salzburg war an einer groß angelegten, internationalen Katastrophenschutz-Übung in Slowenien beteiligt. Übungsannahme war ein Erdbeben der Richterskala 10 in der Hauptstadt Ljubljana. 

 
 

19 Rettungshunde-Teams aus Deutschland, Kroatien, Italien, Slowenien und Österreich waren für 48 Stunden am Rand der Slowenischen Stadt Ljubljana stationiert, um dort ein realitätsnahes Katastrophen-Szenario zu trainieren. „Die Annahme war ein starkes Erdbeben mitten im Ortszentrum, das zahlreiche Häuser zerstörte und hunderte Menschen unter den Trümmern begrub. Rettungshundeteams aus den Nachbarländern wurden angefordert, um die slowenischen Kollegen beim Auffinden der vermissten und verschütteten Menschen zu unterstützen“, schildert Stefanie Bleimer aus SSaalfelden, Hundeführerin der Lawinen- und Vermisstensuchhundestaffel Salzburg (LVHS), das Einsatzszenario. Mit ihr reisten Sepp Bucher mit Einsatzhund Chili, Carolin Scheiter mit Rettungshund Luca (beide aus St.Martin am Tennengebirge) und Matthias Leinich aus Werfenweng nach Slowenien.

Psychisch und physisch im Grenzbereich
Die Abteilung Schutz und Rettung der Stadt Ljubljana hatte sich ein komplexes und realitätsnahes Szenario einfallen lassen, das alle teilnehmenden Teams stark forderte: In 16 Stunden mussten sieben Suchen auf Trümmern und in steilem Waldgelände absolviert werden, zwei Orientierungsmärsche mit GPS, eine Seiltechnik-Station sowie das Leisten Erster Hilfe an verletzt aufgefundenen „Opfern“. Die Teams wurden von der Feuerwehr der Stadt Ljubljana zu den einzelnen Schadstellen gefahren. „In diesen 16 Stunden gab es keine wirkliche Pause für uns oder die Hunde“, erzählt Bleimer. Für die Unterkunft und die Verpflegung musste jedes Team selbst sorgen. Allerdings nicht bequem in einem Hotel, sondern in einem gemeinsamen so genannten „Base of Operation“ – einem geschützten Platz am Stadtrand, in dem die Teams in Zelten auf den nächsten Einsatz warteten. Die körperliche und mentale Belastung der Teams war enorm, zudem erschwerten heftige Gewitter mit starkem Regen die Einsätze. „Wir wurden nach mehreren Stunden anstrengender Arbeit zurück ins Base gebracht, nass bis auf die Unterhose. Und dann steht schon wieder der Einsatzleiter vor dir und sagt: ‚Abfahrt in 20 Minuten’. Das ist hart. Da hat man gerade genug Zeit die Trinkflasche aufzufüllen, die Hunde zu versorgen und Luft zu holen, dann geht es weiter“, sagt die Pinzgauerin.

Abwechslung pur
Ganz wie es der Realität entspricht, mussten die Hundeführer jede Suche mit vollem Einsatzgebäck absolvieren – einem rund 15 Kilo schweren Rucksack mit Abseilgerätschaften für Mensch und Hund, Essen, Trinken, Erste Hilfe-Ausrüstung sowie Sicherheitsschuhen. Natürlich waren – ob fiktiv zerstörter Straßen – nicht alle Suchgebiete mit dem Auto erreichbar. Zu manchen Einsatzorten mussten die Hund-Hundeführer-Teams mit dem Boot gebracht werden, zu anderen per Seilrutsche. Immer an der Seite der Hundeführer: die treuen Vierbeiner. Natürlich mussten auch sie jeden Marsch, jede Bootfahrt und jede Abseilaktion mitmachen. Auch die drei Einsatzhunde Luca, Chili und Rocky kamen dabei an ihre Belastungsgrenzen. Gerade bei solchen Einsätzen müssen die Hunde auch unter großem Stress und in schwierigem Gelände selbstständig arbeiten. „Wegen der Einsturzgefahr durften die Menschen die meisten abzusuchenden Gebäude nicht betreten. Daher mussten die Hunde selbstständig in großen Fabrikgeländen, dunklen Kellern oder höheren Stockwerken suchen. Da stehst du im Freien und wartest verzweifelt darauf, dass der Hund endlich irgendwo dort drinnen bellt. Da werden Minuten zu Stunden“, weiß Bleimer.

Bestanden
Bei solchen Einsatztests geht es neben dem Zusammenspiel im eigenen Team natürlich auch um Bestehen und nicht Bestehen. Nachdem die Teams nicht wussten, wie viele Menschen insgesamt versteckt waren, konnten sie auch bis zur Ergebnisverkündung nicht wissen, ob sie bestanden haben oder durchgefallen sind. „Natürlich rechnet man mit, aber am Ende hat man keine Ahnung, ob wir die erforderlichen 70 Prozent erreicht haben. Was für uns zählt, war die Teamleistung und wie toll die Hunde gearbeitet haben. Das hat super funktioniert, weshalb wir unabhängig des ‚Ergebnisses’ wahnsinnig stolz sein können“, erzählt Bleimer. Wie die Teilnehmer nach Abschluss der Arbeiten von Mag. Robert Kus, Katastrophenschutz-Manager der Stadt Ljubljana, erfuhren, gab es insgesamt 15 Personen zu finden. Das Team der Lawinen- und Vermisstensuchhundestaffel Salzburg schaffte es, elf von ihnen aufzuspüren – genug, um diesen „Stresstest“ positiv zu absolvieren. „Für uns war diese Einsatzübung ein absoluter Höhepunkt. Da waren Teams am Start, die ausschließlich Trümmerarbeit trainieren und international – etwa letzten Sommer in Italien – im Einsatz waren. Wir arbeiten daheim im Salzburger Land hauptsächlich auf der Lawine und im alpinen Gelände in der Vermisstensuche, also in anderen Sparten der Rettungshundearbeit. Umso mehr freut uns das positive Abschneiden mitPlatz 6 unter 19 Teams“, erklärt Hundeführer Sepp Bucher aus dem Pongau.  An internationalen Einsatztests nehmen die Salzburger vor allem teil, um Kontakte zu anderen Rettungshundeorganisationen zu knüpfen, und die Ausbildung der Hunde auf eine solide, breite Basis zu stellen. Diese Erfahrung kommt im Einsatz wiederum in Not geratenen Menschen im Bundesland Salzburg zu Gute. „Es ist schön zu sehen, dass unsere Hunde im internationalen Vergleich ein sehr hohes Ausbildungsniveau haben. Vor allem wenn man bedenkt, dass bei dieser Übung kein Team mehr als zwölf Personen lokalisieren konnte“, resümiert Stefanie Bleimer.