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Es war am Gründonnerstag 1954, als eine 14-köpfige Gruppe, bestehend aus zehn Schülern und vier Lehrkräften, aufbrach um den Krippenstein im Dachsteinmassiv zu besteigen. Die Gruppe war Teil einer Heilbronner Reisegruppe, die ihre Osterferien in der Bundessportschule Obertraun verbrachte. Die Gruppe plante dabei einige Bergwanderungen, unter anderem auf den besagten Krippenstein. Trotz Warnungen und ungünstiger Wetterlage wagte die 14-köpfige Gruppe am 15. April den Aufstieg. Während des Aufstiegs wurden sie noch mehrfach gewarnt, so soll selbst der Leiter der Bundessportschule Bols vor diesem Vorhaben mit den Worten: ”Im April kann das Wetter rasch umschlagen”, gewarnt haben. Während des Aufstiegs schon fiel der erste Regen. Gegen halb zehn Uhr erreichte die Gruppe die Schönbergalm. Die Wanderer waren völlig durchnässt. Die Hüttenwirtin brachte Tee. Als sie erfuhr, dass der Lehrer noch weitergehen wollte, schlug sie die Hände über dem Kopf zusammen: ”Herr Lehrer, das ist heller Wahnsinn!” Dichter Nebel stieg auf. Bald verwandelte sich der Regen in dichtes Schneegestöber, man sah kaum fünfzig Meter weit. Zum dritten Mal schickte das Schicksal seine Warnung: Zwei Arbeiter der Materialseilbahn kehrten von einer Baustelle zur Schönbergalm zurück. Als sie den Wanderern begegneten, redeten sie diese an: ”Kehren Sie um! Ein Unwetter kommt! Wir gehen selber ins Tal!” Der Lehrer gab ihnen nicht einmal eine Antwort. Die beiden Arbeiter waren die letzten, die die Heilbronner lebend gesehen haben...

DIE GEBURTSSTUNDE DER LAWINENHUNDESTAFFEL
Es sollte eine der größten Suchaktionen der alpinen Geschichte Österreichs werden. An die 500 Bergrettungsleute, Alpin-Gendarmen, freiwillige Helfer und Bergführer waren im Einsatz. Ein Gendarmeriebeamter, der ein 14-jähriges Mädchen fand, entdeckte ebenfalls einen Fotoapparat. Die Heilbronner hatten ihren eigenen Todesmarsch fotografiert. Überlieferungen zufolge sollen auf der Suche nach den Vermissten auch Fährtenhunde zum Einsatz gekommen sein, manchen Quellen zufolge sollen diese sogar gefunden haben. Fest steht, dass sich aus dieser Tragödie heraus eine Gruppe Idealisten gefunden hat. Eine Gruppe von Menschen, die das Retten von Menschenleben mit dem Einsatz von Hunden verbinden wollte. Die Lawinen- und Vermisstensuchhundestaffel Salzburg (LVHS) war geboren.

DIE PIONIERE
Leider ist keine verifizierte Namensliste der Gründungsmitglieder überliefert. Der erste Beleg von der Arbeit mit damaligen Polizeihunden innerhalb der Bergrettung verweist auf die beiden Diensthundeführer Polizei-Oberwachmeister Karl Hofbauer und Polizei-Wachmeister Ernst Schernthaner. Zweit genannter sollte Jahre später die Ausbildung der gesamten Staffel verantworten. Einige Hundeführer und Hundeführerinnen der heutigen Zeit hatten die große Ehre, ihr Ehrenmitglied Ernst Schernthaner bei der jährlichen Jahreshauptversammlung 2011 im Pinzgauer Heutal persönlich begrüßen zu dürfen. Leidenschaftlich, humorvoll und detailgetreu berichtete er den überwiegend jungen Staffelmitgliedern von den Ursprüngen der Rettungshundearbeit, damaligen Ausbildungsmethoden und seiner ganz persönlichen Motivation – geschmückt mit zahlreichen Anekdoten, Tipps und Tricks für die Ausbildung der Vierbeiner. Eine wertvolle und unwiederbringliche Erinnerung an einen großartigen Menschen und Hundeführer, die die Mitglieder der Staffel wohl nie vergessen werden. Noch im selben Jahrverließ der „Pionier der Lawinenhundearbeit“, wie er in einem Zeitungsartikel genannt wurde, die Lawinen- und Vermisstensuchhundestaffel Salzburg für immer. Ernst Schernthaner verstarb am 1. November 2011 im Alter von 86 Jahren.
In einem Gesprächsprotokoll vom Mai 1954, bezüglich ‘einer Aussprache zu aktuellen Fragen bezüglich der Lawinensuchhunde‘, taucht zum ersten Mal der Name Anton Mosleitner auf – er wird zum ersten Staffelleiter.

 

 

Unser Gipfelkreuz auf dem Hochseiler

Am 15. Mai 1967, stellte der damalige Staffelleiter Anton Mosleitner ein Ansuchen mit der Bitte ein Gipfelkreuz auf dem 2793 Meter hohen Hochseiler aufstellen zu dürfen. Gerichtet war es an das Forstamt Saalfelden. Warum gerade am Hochseiler? Das Gebiet Hintertal, in welchem sich der Hochseiler-Gipfel befindet, diente lange Zeit als Übungsgebiet. Ausserdem wollte die Staffelführung die gute Zusammenarbeit mit der Alpin-Gendamarie Saalfelden und Zell am See würdigen. Angefertigt wurde das Kreuz von Ferdinand Brunthaler, Josef Kirchner und Wilhelm Siller, allesamt Mitglieder der LVHS. Das fertige Kreuz war etwa vier Meter hoch und rund 260 Kilogram schwer, und wird einem Abbild des Logos der Lawinenhundestaffel geziert.

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Das Gipfelkreuz wurde von Fidelius Egger, einem Piloten der Salzburger Rettungsflugwacht, am 20. August 1967 auf den Hochseiler geflogen und von unserer Staffel aufgestellt.
Im Juli 1969 fand die feierliche Einweihung des Kreuzes statt. Zu dieser Feier hatten sich 30 Bergkameraden und Staffelmitglieder eingefunden. Um 10 Uhr morgens hielt der Geistliche Albert Göschl von der Pfarre Mittersill die Bergmesse.